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Pille abgesetzt Teil III

3 Blasenentzündungen in diesem Jahr - eine Folge des Absetzens oder steckt doch eine ernste Krankheit dahinter?


Angefangen hat alles an einem friedlichen Dienstag auf der Arbeit. Ich hatte plötzlich krampfartige Unterleibsschmerzen, die es so richtig in sich hatten. Während der Mittagspause ist es so schlimm geworden, dass ich schnell zur Apotheke gedüst bin, um mir Buskopan zu kaufen. "Das hilft mir immer super bei Regelschmerzen", dachte ich mir.


Weniger als 28 Tage zuvor hatte ich die Pille abgesetzt. Ich hielt es fast nicht für möglich, dass ich nach Sage und Schreibe genau 4 Wochen meine erste Periode bekommen würde, aber die stechenden Unterleibsschmerzen deuteten darauf hin.


Die Nacht war von mehreren Toilettengängen und starken Schmerzen geprägt. Verwunderlich war, dass die Schmerzen nach jedem Pinkeln langsam abklangen. Komisch diese Gebärmutter und alles, was sie so mit sich bringt.


Am nächsten Tag konnte ich mich vor Schmerzen nicht aufrichten. Ich war erschöpft vom Aufstehen und der Schmerzen, keine Tablette, keine Wärme, nichts konnte mir helfen. Außer eben, Wasser lassen zu gehen, sobald es schmerzt - ob ich nun muss oder nicht.

Da ich am Montag eh einen Termin bei meinem Hausarzt habe, würde ich das einfach mit ihm abklären. Und bis dahin muss ich mich eben damit rumschlagen, dachte ich mir vormittags. Als aber am Abend die Schmerzen unerträglich wurde, habe ich einen Termin bei einem Online Arzt gemacht. Meine Krankenkasse bietet so einen Service an und das wollte ich ausnutzen, bevor ich freitags bei meinem Hausarzt auflaufe.


Plötzlich kam mir der Gedanke, ob es nicht eventuell eine Blasenentzündung sein könnte, denn die Schmerzen verschwanden lassen, sobald ich meine Blase geleert hatte. Aber ich hatte ja kein Brennen oder andere klassische Symptome einer Blasenentzündung.


Ich erklärte der Ärztin im Videocall meine Beschwerden, meine Gedanken zur Blasenentzündung informierte sie, dass ich Diabetes habe und die Pille vor einigen Wochen abgesetzt hatte. Da ich vorher nie wirklich an Regelschmerzen litt, konnte ich diese Schmerzen nicht genau deuten und ob meine Periode nun wirklich vor der Tür steht, konnte ja keiner sagen.

Sie erklärte mir, dass natürlich beides der Fall sein könnte, sie aber eher auf PMS tippt. Sicherheitshalber hatte sie mir ein ein-Tages-Antibiotikum verschrieben, welches ich mir dank dem Onlinerezept in der Apotheke kaufen könnte. Sollten doch schwache Bakterien in der Blase sein, würde das Antibiotika helfen und falls nicht, würde diese geringe Menge keine Schäden verursachen. Ich könnte mir aber auch sicherheitshalber einen Urintest kaufen um auf Nummer-Sicher zu gehen, was ich dann auch tat.


Keine 5 Sekunden nachdem ich den Test gemacht habe, leuchteten alle Felder in knallbunten Farben. Alles auf Anschlag positiv. Na geil.


In der Notfallspraxis wurde dann sofort ein Urintest gemacht, der natürlich das gleiche Ergebnisse aufwies, wie der, den ich daheim gemacht hab, mit dem großen Unterschied, dass für mich eben alles einfach nur stark positiv war, der Arzt in der Praxis überaus besorgt schien. Er vergewisserte sich mehrfach, ob ich Anzeichen von Fieber, Schüttelfrost o.Ä. gehabt habe und ich musste ihm versprechen, sofort wieder zu kommen, sollten sich irgendwelche dieser Symptome aufzeigen.


Also nahm ich das Antibiotika 3 Tage lang und die Schmerzen wurden von Tablette zu Tablette weniger. Am Montag konnte ich problemlos zur Arbeit, keine nächtlichen Toilettengänge mehr und auch keine Schmerzen. Bis Dienstag. Als mein Wecker klingelte habe ich es fast nicht aus dem Bett geschafft vor Krämpfen. Und dann plötzlich: Blut. WTF?!

Ich habe tatsächlich meine Tage bekommen. Ich blieb noch einmal zuhause und schlief mich aus, wärmte den Bauch und packte die Füße warm ein. War immerhin ne harte Zeit für den Körper.



Sehr genau 4 Wochen später bemerkte ich Samstagmorgen einen komischen Bauchschmerz. Im ersten Moment dachte ich nicht daran, dass es wieder eine Blasenentzündung sein könnte. Bis ich abends wieder so einen starken Krampf hatte und mir einfiel: es müsste bald wieder soweit sein. Super!


Glücklicherweise hatte ich am Montag einen Termin bei meinem Hausarzt und bekam wieder ein Antibiotika. "Vermutlich waren die 3 Tage das letzte Mal zu kurz und es sind noch Bakterien übrig geblieben, die sich jetzt bemerkbar machen. In der Woche vor der Periode ist alles etwas empfindlicher und dadurch zeigt sich das erst jetzt wieder auf." Also nochmal 5 Tage Antibiotika. Diesmal mit milderem Verlauf.


Hallo April, hallo Blasenentzündung Nummer 3! Wie immer: Freitagnachmittag. Auf der Arbeit hatte ich plötzlich so einen stechenden Schmerz im Unterleib. Das kann doch nicht wahr sein.

Ich habe versucht den Schmerzen mit einer Ibu entgegen zu wirken, weil ich wie immer am Montag einen Termin beim Hausarzt habe. Freitagabend hatte ich dann in ziemlich kurzen Abständen wirklich heftige Krämpfe, die mich wirklich zu heulen gebracht haben. Ich konnte mich vor lauter Erschöpfung nicht mehr wach halten und war um 21 Uhr im Bett. Am Samstagmorgen war es mir so schlecht, dass ich gleich wieder zur Apotheke bin und mir ein pflanzliches Antibiotika aus Meerrettich und Kapuzinerkresse habe geben lassen. Ich hatte recherchiert und die Wirksamkeit dieser Kombination sei nachgewiesen und eine gute Alternative zu klassischem Antibiotika, an welches sich der Körper gewöhnen kann. Hier und da noch eine Schmerztablette und Cranberrysaft, Tee und warme Klamotten. So habe ich mich durch die Tage gequält.


An diesem Freitag hatte ich einen Kontrolltermin bei meiner Frauenärztin ausgemacht und mir dann auch vorgenommen, sie darauf anzusprechen. Sie ist wirklich sehr fürsorglich und würde mich etwas vorschlagen könnten oder mich weiter untersuchen, wenn etwas komisch daran wäre, dachte ich mir.

Ich hatte in den ganzen Wochen viel dazu im Internet gelesen. Blasenentzündungen können durch folgende Punkte* ausgelöst werden

  • nasse Kleidung

  • kalte Füße

  • falsche Wischrichtung nach Toilettengängen

  • übermäßige Intimhygiene

  • häufiges Wechseln der Geschlechtspartner

  • falsche Hygienemaßnahmen nach dem Geschlechtsverkehr

  • zu wenig Flüssigkeitszufuhr über den Tag verteilt

  • verschiedene Medikamente

  • übermäßiger Kaffee- und Alkoholkonsum


Was daran komisch ist? Keiner dieser Punkte trifft auf mich zu. Im Gegenteil: ich trinke seit November kaum noch Alkohol, ich habe aufgehört zu rauchen, meine Blutzuckerwerte verbessern sich immer mehr, ich versuche mich gesünder zu ernähren und versuche immer weniger Stress zu haben, genug zu schlafen und mich sportlich zu betätigen. Es kann doch nicht sein, dass ich jetzt plötzlich kranker bin als davor.



Mein ursprünglicher Kontrolltermin wäre am 2. Mai gewesen. Doch als meine Periode nach der dritten Blasenentzündung einsetzte, hatte ich so krasse Schmerzen und die Leute in meinem Umfeld, die es mitbekommen haben, machten sich Sorgen und erzählten mir von verschiedenen Ursachen, die die Blasenentzündungen haben könnten. Und dann habe ich plötzlich Panik bekommen. Der Gedanke, dass es Endometriose sein könnte, machte mich fertig. Denn in den verschiedenen Berichten konnte ich lesen, dass die Pille gut dagegen helfen würde. Und bei mir fingen die Beschwerden an, als ich aufhörte sie zu nehmen. Es schien also so, als hätte die Pille die Erkrankung bisher einfach verdeckt. Es machte mir Sorgen, weil ich während der Periode leichte Schemrzen im unteren Rücken hatte und einige Symtome auf Endometriose hindeuteten. Natürlich weiß ich, dass man immer die schlimmsten Diagnosen zu lesen bekommt, wenn man sich im Internet erkundigt, aber etwas anderes konnte ich ja auch kaum finden. Es gab prämenstruelle Blasenentzündungen (sehr wenig Lesestoff im Internet), PMS und eben Endometriose.


Ich rief also bei meiner Frauenarztpraxis an und erhielt gleich am Montag einen Termin. Dank meiner genauen Beobachtung konnte ich der Ärztin alles genau wiedergegebene und nachdem bei diesem Termin ein Urintest gemacht wurde teilte sie mir mit, dass ich, zumindest dem Urinergebnis nach gar keine Blasenentzündung hatte. Und auch die Symptome überhaupt nicht für eine Blasenentzündung sprechen. Die Gebärmutter sei an 3 "Fäden" fest, die vor der Periode schmerzen können. Daher zieht es mir im Rücken und der Leiste. Ich solle doch im nächsten Zyklus nichts machen bzw. mal versuchen Schmerzmittel zu nehmen (also Ibu oder Paracetamol) und den Verlauf beobachten. Und sicherheitshalber bei Beschwerden zu meiner Frauenärztin gehen. Sie möchte mich dann noch einmal untersuchen, wenn es akut ist.


Bei meinem Termin hat sie mich wirklich komplett untersucht und alle Eventualitäten abgedeckt. Sie bot mir auch weitere Untersuchungen an, die jedoch kostenpflichtig wären, weil es keine Anhaltspunkte dafür gibt und es somit keine Kassenleistung ist. Ich vertraue meiner Frauenärztin sehr und habe daher keine weiteren Untersuchungen machen lassen. Sie meinte, es gibt keinen Grund dazu und daher habe ich diese auch nicht machen lassen. Aufgrund meines Diabetes kommt es häufiger zu Pilzinfektionen, die gerne mal die Harnwege hochklettern können und vor der Periode Schmerzen auslösen können. Sie machte einen Abstrich und verschrieb mir ein geeignetes Präparat. Ich solle außerdem genügend Vitamin C zu mir nehmen und eventuell einen Mangel beim Hausarzt ausschließen (oder feststellen) lassen, der diese Pilzinfektionen begünstigt. Wenn ich möchte, kann ich vorbeugend auch D-Mannose einnehmen, die eine Blasenentzündung vorbeugen kann, wenn es denn eine ist. Außerdem klärte mich meine Gynäkologin auf, welches der Felder auf den Urin-Tests, die ich mir in der Apotheke gekauft habe, wirklich aussagekräftig sind und dass eine Verfärbung bei Leucos alleine nicht aussagt, dass man eine Blasenentzündung hat. In diesem Sinne hat sie mich wirklich sehr beruhigt.



Bei meiner Recherche im Internet kamen natürlich alle möglichen Krankheiten bei raus. Von Endometriose bis zu verschiedenen Tumoren war natürlich von allem das Schlimmste dabei. Meine Gynäkologin klärte mich auch auf, dass viele dieser schwerwiegenden Erkrankungen mit vielen Symptomen auftauchen und jede Frau in oder vor der Periode mindestens eines dieser Symptome hat. Wichtig ist hierbei zu unterscheiden, ob es sich wirklich um außergewöhnlich starke Schmerzen handelt, die nichts mehr mit normalen PMS Beschwerden zu tun hat oder ob es sich einfach nur um Schmerzen im Zusammenhang mit dem Zyklus sind. Vor allem bestärkte mich meine Ärztin darin, meinem Körper auch eine Auszeit zu gönnen, wenn er sie benötigt. Die Schmerzen können wirklich stark werden und wenn sie eben nicht zulassen, dass ich arbeite oder Sport mache oder irgendetwas anderes, dann ist das eben so. Wichtig ist vor allem, auf den Körper zu hören und sich Zeit zu lassen, wieder voll leistungsfähig zu sein.


Klar ist, dass ich nach dem Absetzen der Pille stärkere Regelschmerzen haben. Der erste Tag ist bei 2 von 3 Malen auch wirklich sehr stark gewesen und ich war einfach nicht in der Lage, mich normal im Alltag zu bewegen. Ich muss aber auch ganz klar sagen, dass beim 2. Mal gar kein Test gemacht wurde und die Ärzte nicht festgestellt haben, ob es wirklich eine Blasenentzündung ist und auch beim 3. Mal war kein Facharzt dran um sicherzustellen, dass sich wirklich Bakterien im Körper befinden.

Auf der einen Seite muss ich zugebene, dass ich doch sehr in Panik verfallen bin, denn oft tauchen im Zusammenhang mit solchen Erkrankungen Schlagwörter wie "Unfruchtbarkeit" "unerfüllter Kinderwunsch" und so etwas auf und im ersten Moment, wenn man eben nicht genau weiß, was man denn hat und die Symtome passen, erschreckt einen so Aussage natürlich.


Nun ja, der nächste Zyklus nahm seinen Lauf und ich hatte immer wieder Unterleibsschmerzen. Teilweise waren sie ganz gut auszuhalten, manchmal etwas doller aber im Großen und Ganzen war es okay. Aus Panik machte ich am 2. Tag der Krämpfe einen Test und stellte fest: ich habe keine Blasenentzündung. Das beruhigte mich sehr. Die Schmerzen waren kein Vergleich zu dem, was ich die Monate davor durchgemacht habe und ich kann sagen, diese Stärke kann ich aushalten. Etwas Wärme, eventuell etwas gegen die Schmerzen und viel Ruhe. Ob die Schmerzen jetzt tatsächlich Monat für Montag weniger geworden sind oder es eine Kopfsache war kann ich nicht genau sagen, ich bin aber ziemlich froh drüber, wie es diesmal verlaufen ist und bin sehr beruhigt, dass es für den Moment keine größere Sache ist.


Ich muss schon sagen, dass ich bisher keine (schwerwiegenden) Nebenwirkungen der Pille gespürt habe und das darf auch so bleiben. Eventuell pendelt sich das alles in den nächsten Monaten auch ein und ich stelle fest, dass ich nur während der Einnahme der Pille Beschwerden hatte und das Absetzen tatsächlich das Beste ist, was ich für mich tun konnte.


Auch wenn meine Erfahrung fast ausschließlich positiv ist, ist mir klar, dass es nicht bei jeder Frau so ist. Dennoch würde ich es jeder Freundin sofort empfehlen, unabhängig von Kinderwunsch, Partnerschaft und Co. Ich denke, viele junge Frauen fangen viel zu früh mit der Einnahme an und realisieren gar nicht, wie sehr sie in den natürlichen Ablauf des Körpers eingreifen. Hautunreinheiten sind während der Pubertät normal. Und auch wenn man aus dem peinlichen Teenager-Alter raus ist, bedeutet das nicht, dass sich die Hormone so eingespielt haben, dass man keine Probleme mit der Haut hat. Und selbst wenn, sind Hautprobleme ein Grund, den gesamten Körper zu belasten? Sicherlich gibt es schwere Formen von Akne, das möchte ich gar nicht klein reden aber ich würde, nach meinem jetzigen Wissensstand, immer versuchen, eine gezieltere Behandlung zu finden, anstatt einfach mal den ganzen Körper in Mitleidenschaft zu ziehen.

In Sache Verhütung muss natürlich jeder für sich selbst wissen, was er tun möchte. Ich habe diesen Punkt ganz gezielt ausgelassen, weil ich sicher bin, dass jeder Frau bewusst ist, wie sicher die Pille als Verhütungsmittel ist und dass es andere Alternativen gibt und welche davon wie sicher ist und was wie oft angewendet werden muss usw. Also der Punkt Verhütung spielt eher eine kleine Rolle. Ich weiß, dass es sehr bequem ist und die Pille durch ihren Einfluss auf den Zyklus auch dann Gebrauch findet, wenn es zum Beispiel darum geht, die Pillenpause während des Urlaubes zu überspringen. Aber wir müssen uns halt immer bewusst machen, dass wir dadurch in einen natürlichen Prozess des Körpers eingreifen und ich bin mir sicher, dass sich das immer in irgendeiner Form rächt.


Ich würde mich freuen, wenn mein positiver Bericht die ein oder andere dazu animiert, die Pille abzusetzen. Hier ist der Beweis, dass es eben auch gut laufen kann. Und aus Gesprächen mit meinen Freundinnen, die die Pille beenfalls vor längerem abgesetzt haben kann ich euch sagen, dass ausnahmslos jede über eine positive Veränderung des Allgemeinzustandes berichtet.


Lese auch:


und


XX Valentina


* diese Liste ist unvollständig und weist Punkte auf, die eine Blasenentzündung verursachen können bzw. die Entstehung begünstigen können. Ich übernehme keine Haftung für die Richtigkeit der Aussagen. Dies sind Punkte, die ich bei meiner Recherche bei verschiedenen seriösen Quellen und aus Gesprächen mit Fachärzten entnehmen konnte.



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