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Die Welt braucht nicht 10 Leute, die etwas perfekt machen...

sondern 100, die versuchen etwas so gut wie möglich zu machen.

Mit diesem Satz möchte ich euch zu einem (kleinen) Essay einladen.


Bewusster leben

Es war ein ziemlich harmloser Kommentar auf meinen Wocheneinkauf, den ich in meine Instagram Story teilte, der etwas bewirkte. Eine Followerin meinte etwas abwertend, warum ich Eier aus Bodenhaltung kaufe. Im ersten Moment dachte ich mir, was für ein anmaßender Kommentar, ich kaufe was ich will und abgesehen davon kennt sie unsere finanzielle Situation nicht. Manche Menschen können sich eben nur die günstigsten Produkte im Discounter leisten. Nachdem ich mich über ihren Kommentar grün und blau geägert hatte, fiel mir auf, dass ich mich immer mehr fragte, warum ich diese Eier gekauft hatte. Hand aufs Herz: unsere finanzielle Situation verlangt absolut nicht ab, die 20 bis 30 Cent Differenz zu sparen. Selbstverständlich würde es sich bemerkbar machen, wenn ich von nunan nur noch Markenprodukte kaufe aber es machte uns nun wirklich nichts aus, wenn ich die Eier aus Frelandhaltung in unserem Einkaufswagen waren.

Und so fing ich an, für das Tierwohl, Eier aus Bodenhaltung zu kaufen.

Auch Öl kaufe ich nur in Glasflaschen, Kosmetik wann immer es möglich ist, ich greife zu Papierverpackung statt Plasik, wenn ich die Wahl habe und ich versuche unverpacktes Obst und Gemüse zu kaufen.

Die Mülltüten mache ich immer randvoll, um die Stückzahl möglichst klein zu halten, für die Einkäufe nehme ich Stoffbeutel und wenn es doch mal Plastik ist dann die Mehrwegtaschen, die man bis zum bitteren Ende verwenden kann.


bewusster einkaufen. Vegan, Glasverpackung, bessere Haltungsform

Nach oben hin ist sicherlich ohne Ende Luft, was Tierwohl und Umweltbelastung angeht aber ich gebe mir Mühe. Ich versuche immer bewusster zu werden und mir fällt auf, wie viele Kleigkeiten man mühelos besser machen kann. Ich habe eine ganze Zeit lang Brot selber gebacken und dadurch vermiden, überhaupt erst in den Laden gehen zu müssen (wobei ich das in 90% der Fälle sowieso zu Fuß erledige) und dann das in Plastik verpackte Brot nicht kaufen musste.

Ich habe Zuhause viele Vorratsdosen aus Glas stehen, sodass ich viele Lebensmittel in Papierverpackungen kaufen kann und sie dann trotzdem so lagern kann, dass sie frisch bleiben.

Es sind die kleinen Schritte, die am Ende doch einen großen Unterschied machen. Vielleicht ist es am Ende des Tages doch die hundertste Packung, die im Ladenregal bleibt und dadurch etwas verändert.


Ich habe mein Onlineshopping im Verlaufe des letzten Jahres drastisch reduziert und stattdessen gehe ich viel häufiger in die Läden. Hierbei lasse ich übrigens das Argument, ich arbeite ja nicht und habe Zeit, nicht gelten. Denn wie oft kaufen wir spät abends irgendetwas online, was wir eigentlich nicht brauchen. Wenn ich nur noch zu den Geschäftszeiten in der Stadt etwas kaufe, überlege ich mir mehrmals, ob ich jetzt Lust habe aus dem Haus zu gehen und das wirkt sich wiederum darauf aus, ob ich überhaupt Sachen kaufe. Wenn ich diese Dinge wirklich brauche, natürlich. Dann kaufe ich sie notfalls auch online. Aber ich neige seltener dazu etwas aus Langeweile oder aus dem Kaufrausch heraus zu kaufen, wenn ich dafür in die Stadt gehen muss. Zudem kommt, dass ich mir dadurch eine Menge meiner kostbaren Lebenszeit erspart habe. Weniger in die Stadt gehen, Ansprobieren in der Umkleide, Zeit in der Schlange an der Kasse verlieren oder bei Onlineshopping das Warten auf das Paket, ewiges Anprobieren und wieder verpacken, die Retoure zur Post bringen, auf den Eingang der Rücksendung warten usw. Dieses Kaufverhalten hat so einen langen Rattenschwanz und ich bin froh mir diesen nicht mehr anzutun.


Eine weitere Sache, die ich eingeführt habe ist, Gegenstände über Second Hand Plattformen zu suchen. Dieses Thema hatte ich bereits in meinem Beitrag über meine Second Hand Erfahrung angesprochen. Auch hierfür habe ich 2 neue Beispiele: nachdem ich unseren Standmixer kaputt gemacht habe, hatten wir erst Ersatzteile über den Hersteller bezogen. Dabei hatte ich nicht gesehen, dass wir tatsächlich nur den Becher als Ersatzteil erhalten werden und deswegen die Klinge, die noch vollkommen funktionsfähig war, entsorgt. Nachdem wir dann festgestellt haben, dass die Klinge und der Becher als Ersatzteile den ursprünglichen Kaufpreis des Mixers weit übersteigen würden, haben wir auf Kleinanzeigen nach diesem Mixer gesucht. Diese Story hat kein Happy End, denn die Verkäuferin war tatsächlich nur unter der Woche an der für uns praktisch gelegenen Adresse und am Wochenende in einem anderen Stadtteil, wo wir etwa 70 Kilometer hin fahren müssten. Da uns das ineffizient für einen Mixer schien, haben wir uns dann doch entschieden einen neuen Mixer zu kaufen (ein anderes Modell), dafür aber haben wir unseren Christbaumständer von einer netten Dame aus der Nähe gekauft. Klar, ein Weihnachtsbaumständer ist nichts, was groß ins Gewicht fällt, was die Umweltbelastung durch unseren Konsum betrifft, aber man tut was man kann. Und dem eigenen Geldbeutel hat dieser Einkauf ganz gewiss nicht geschadet.


Außerdem habe ich einiges, was von unserer großen Hochzeit im September 2022 übrig geblieben ist, ebenfalls auf Kleinanzeigen hochgeladen, sodass ich auch anderen die Möglichkeit biete, gebraucht zu kaufen und unseren ökologischen Fußabdruck etwas geringer zu halten.


Was ist jetzt die Moral von dieser Geschichte? Es geht nicht darum, dass ich von heute auf morgen vegan lebe, nur noch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auskomme und nie wieder etwas kaufe, was nicht regional gefertigt ist. Es geht nicht darum, dass sich 10 Leute mit einem völlig sauberen Lifestyle zusammenfinden und darüber reden, wie wir alle so werden müssen. Es geht viel mehr darum, dass sich möglichst viele Leute zu noch so kleinen Schritten bekennen und dadurch die Welt ein wenig schützen. Ganz ehrlich, es tut doch kaum einem von uns weh, wenn er zur umweltfreundlicheren Verpackung greift, oder?

Und es gibt Nachweise dafür, dass der Verzicht auf unnötigen Konsum unserer Psyche gut tut (ein Beitrag dazu hier).

Um mich an meiner eigenen Nase zu packen: ich kann mir nicht vorstellen vegetarisch oder vegan zu leben und um ganz ehrlich zu sein möchte ich das auch nicht. Ich möchte dafür aber im nächsten Jahr noch mehr darauf achten, wo ich mein Fleisch kaufe und vor allem möchte ich es ganz bewusst genießen. Ich lege inzwischen einige feste fleischlose Tage in meinen Kochplan ein und bemühe mich, das Fleisch nicht mehr beim Discounter zu kaufen. Und wenn das doch mal sein muss, weil ich eben gerade dort meinen Wocheneinkauf mache, dann nehme ich doch lieber das Bio-Fleisch mit der besseren Haltungsform.


Auch was unseren Nachwuchs angeht habe ich mich viel über umweltfreundliche Alternativen informiert. So habe ich mich in das Thema wiederverwendbare Stoffwindeln reingelesen. Nach viel hin und her und auch aufgrund der Erfahrungsberichte vieler, habe ich mich doch dagegen entschieden. Dafür habe ich mir vorgenommen, sofern unser Baby diese dann auch vertragen sollte, die Öko-Windeln von Rossmann zu nutzen und Zuhause vollständig auf Feuchttücher zu verzichten. Für unterwegs sollen es dann diese kompostierbaren Feuchttücher sein.


Es müsste inzwischen durchgekommen sein, dass ich kein fanatischer Umweltschützer bin, der alles stehen und liegen lassen würde, nur um ein wenig CO2 zu sparen. Ich fühle mich aber dennoch ein wenig verantwortlich für das, was ich auf dieser Welt tue. Ich habe die Balance auf meiner Gradwanderung zwischen "das lässt sich problemlos in meinen Alltag integrieren" und "ich investiere diesen Aufwand / das Geld" gefunden und möchte mich in dieser Hinsicht auch weiterentwickeln. Auch wenn ich weiterhin mit dem Auto auf Reisen gehe, ich werde auch weiterhin für jeden Ausflug nach Stuttgart die Bahn nehmen. Und kälter duschen, die Eco-Programme meiner Haushaltsgeräte nutzen, nach umweltschonendem Putzmittel schauen und das Licht und Wasser ausmachen, wenn ich es gerade nicht brauche. Ich trenne den Müll so penibel wie möglich und werfe mein Altglas in die Container und Sondermüll auf den Wertstoffhof und gleichzeitig trinke ich Kuhmilch und besitze 40 Paar Schuhe.

Die Welt braucht nun mal nicht 10 Leute, die etwas perfekt machen, sondern 100 die versuchen etwas so gut wie möglich zu machen.


XX Valentina


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