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Louwen-Diät während der Schwangerschaft

Mit Ernährung zur schmerzarmen, kurzen Geburt um den errechneten Termin her? Das klingt fast zu schön um wahr zu sein. Aufgrund meiner Blutzuckerschwankungen während des dritten Trimesters habe ich mich dazu entschieden die Louwen-Diät zu probieren. Wie diese aussieht, was ich esse und wie es jetzt um meine Werte steht, erfahrt ihr in diesem Beitrag.


Louwen-Diät Schwangerschaft Typ 1 Diabetes

Vorab möchte ich unbedingt aufklären, dass es bei der Louwen-Diät nicht um eine Diät im Sinne des Abnehmens handelt. Es ist mehr eine Ernährungsform, die vollkommen unabhängig von Schwangerschaft und Diabetes für jeden gesund und zu empfehlen ist.

Denn bei der Ernährung nach Dr. med. Frank Louwen verzichtet man auf Weißmehlprodukte und Industriezucker.


Und warum? Zucker und Weißmehlprodukte wie z.B. Weizennudeln oder Brot sorgen für starke Blutzuckerspitzen. Durch den rasanten Anstieg des Blutzuckers schüttet der Körper (oder bei mir die Insulinpumpe nach meiner Anweisung) eine Menge Insulin aus. Der Blutzuckerspiegel fällt dann nach einer gewissen Zeit wieder in den Normbereich.

Das Problem an diesem Blutzuckerverlauf ist, dass ein stark an- und abfallender Blutzucker für Heißhungerattaken, Stress, Schlafstörungen und Migräne führen. Auf lange Sicht kann es sogar zu schwerwiegenden chronischen Erkrankungen führen, dies würde jetzt aber den Rahmen sprengen.


Diese Punkte haben aber bisher nicht so viel mit der Geburt bzw. Schwangerschaft an sich zu tun. Der Grund warum es sinnvoll ist, in der Schwangerschaft auf Zucker und Weißmehl zu verzichten liegt ebenfalls in der Biologie.

Ab der 35. Schwangerschaftswoche schüttet der Körper das Hormon Prostaglandin aus. Dieses Hormon ist an Schmerz- und Entzündungsprozessen beteiligt, sorgt aber unter Geburt dafür, dass der Muttermund weicher wird und sorgen für regelmäßige Wehen. Nun ist es so, dass Insulin und Prostangladin an den selben Rezeptoren im Körper andocken. Wenn die Rezeptoren also mit Insulin besetzt sind, schwimmt das Hormon für die Geburtseinleitung weiter im Blut rum. Im Blut sorgen Prostangladine dafür, dass es zu Schmerzen und Entzündungen kommt. Außerdem wird die Geburt nur erschwert eingeleitet, da der Körper das Hormon nicht bzw. nicht im vollen Umfang aufnehmen kann.


Nüchtern betrachtet klingt es also ziemlich logisch, dass der Verzicht auf Zucker und Weißmehl sich positiv auf die Geburt auswirkt. Mir ist natürlich klar, dass Schmerzen schwer zu messen sind und man Geburten untereinander nicht aufgrund von Fakten mit einander vergleichen kann, da es hierbei schließlich um Empfindungen geht.


Louwen Diät Schwangerschaft

Einen Versuch ist es wert, oder? Weißmehl und Zucker klingt irgendwie nach so viel und ist gleichzeitig nichts sagend. Die Liste der Lebensmittel, die unter der Louwen-Ernährung vermieden werden sollen, ist relativ kurz. Nicht erlaubt sind:

  • Weißmehlprodukte wie Nudeln und Brot

  • Reis und Hirse

  • Süßigkeiten und Kuchen

  • Erbsen, Kartoffeln und gekochte Karotten, Mais und Kürbis

  • Melone, Ananas, Trauben, Mango, getrocknetes Obst, Papaya und Banane

Die Liste ist wirklich überschaubar und mit etwas Planung kann man fast schon uneingeschränkt kochen bzw. essen.


Nun ist es so, dass ich als Diabetikerin für fast alles Insulin spritzen muss. Jedes Stück Obst, noch so vollwertige Getreideprodukte, teilweise sogar Fleisch und Gemüse müssen berechnet werden. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden, die etwas strengere Form dieser Ernährungsweise durchzuführen und habe auf den glykämischen Index geschaut. Das tut mir vor allem deswegen gut, da sich die Insulinresistenz im Laufe der Schwangerschaft immer weiter steigert und ich inzwischen für Kleinstmengen Nahrung viel Insulin spritzen muss.


Dadurch ist mir aber eine Sache aufgefallen. In den Lebensmittelgeschäften werden viele Dinge als Low Carb, Vollkorn, "Fit" und so weiter angeboten, die gar nicht so gesund sind, wie sie auf den ersten Blick wirken. Damit ich weiß, wie viel Insulin ich spritzen muss, habe ich mir die Nährwerttabelle auf der Rückseite der Produkte angesehen und bei vielem festgestellt, dass es sich bei vielen Produkten um gesunde Vollkornprodukte handelt. Oft ist Brot aber nur dunkel eingefärbt oder Mehrkornbrötchen beispielsweise aus 100% Weizenmehl und tatsächlich nur mit verschiedenen Körnern bestreut. Es ist sehr irreführend, auch wenn die Produkte nicht mit falschen Versprechen gekennzeichnet sind, wirkt ein dunkles Brot oder etwas mit Körnern auf uns gleich nach der gesünderen Alternative, die sie in Wahrheit aber nicht ist.


Zugegeben, ich bin nicht sicher, ob meine Annahme stimmt. In meinen Augen macht es Sinn, möglichst wenig insulinpflichtige Lebensmittel zu essen. Die Insulinresistenz ist völlig normal und hat nichts mit einer vorliegenden Diabeteserkrankung zu tun. Jede Schwangere entwickelt im Laufe der Schwangerschaft, zum Schutz des ungeborenen Kindes, eine Resistenz gegen Insulin. Bei jemandem mit Diabetes wird diese nur deutlich spürbar, da wir ja jede gegessene Einheit berechnen und die Auswirkung von der gespritzten Menge Insulin direkt ablesen können. Natürlich kann es sein, dass ein Nicht-Diabetiker die gleiche Menge Insulin ausschüttet, wie ein Diabetiker, wenn er z.B. einen Apfel isst, da ich aber hierzu keine gescheite Antwort finden konnte, bin ich einfach davon ausgegangen, dass es besser ist, je weniger Insulin ich spritze. Für mich gab es keine Gründe, mich nicht so zu ernähren, weshalb ich es einfach mal versuchen wollte. Wie immer gilt: sprech dich vorher mit deinen betreuenden Fachleuten ab.


Mein Journey

Ich hatte schon vorher von dieser Ernährungsweise gehört, tatsächlicher Auslöser war aber der Geburtsbericht von zuckerfreiundvollkorn. Ich habe mir vorgenommen, keine Geburtsberichte zu schauen, da ich aber am Zusammenhang mit der Louwen-Diät interessiert war, habe ich es doch getan. Sicherlich hat es auch etwas mit den Hormonen zu tun, jedoch hat mich der Bericht so sehr berührt, da der ganze Geburtsprozess so positiv und schön beschrieben wurde, dass ich einen Tag später damit angefangen habe, meine Ernährung ein wenig umzustellen.

Zu diesem Zeitpunkt war ich in der 30. Schwangerschaftswoche.

Nun war es so, dass wir viel im Haus hatten, was theoretisch nicht in diese Ernährung passt. Da ich aber die ganzen guten Lebensmittel nicht wegwerfen wollte, habe ich mich langsam gesteigert. Der erste Schritt war natürlich, Süßigkeiten vom Plan zu streichen. Mit dem restlichen Zutaten im Haus ging ich so um, dass ich nur noch einmal am Tag das aß, was völlig gegen die Louwen-Ernährung bzw. einen hohen glykämischen Index hat und den restlichen Tag möglichst gut achtet.

Ich hatte schlagartig bessere Blutzuckerwerte und vor allem war der Verlauf viel milder als davor. Denn trotz angepasster Basalrate und Bolusfaktoren konnte ich nicht alle Spitzen abfangen und meistens hatte ich dann doch mit Unterzuckern zu kämpfen, wenn ich mehr Insulin spritze.


Ganz clean war ich während der Weihnachtszeit aber nicht. Bei insgesamt 3 Weihnachtsmarktbesuchen bin ich beim Bratwurststand und den Schokobananen schwach geworden und auch an Weihnachten habe ich es etwas lockerer angehen lassen. Natürlich habe ich dafür noch am selben Abend die Retourkutsche bekommen aber ich habe versucht mich nicht stressen zu lassen, zwar semioptimal aber ich wusste ja, dass ich selber Schuld war.



Während manche Berichte davon schreiben, dass man in den letzten Wochen vollkommen auf Kohlenhydrate verzichten soll, sagen andere, dass eine 80-20 Verteilung ebenso ausreichend ist. Es ist auch nicht ganz klar, wie es sich mit Hafer, Dinkel usw. verhält, da diese Lebensmittel einen hohen glykämischen Index habe, bei manchen Quellen aber als empfohlene Nahrungsmittel für die Louwen-Ernährung gelten.


Bezüglich meines Diabetes wäre es noch sinnvoll zu erwähnen, dass ich natürlich jederzeit gegen diese Ernährung "verstoßen" würde, wenn mein Blutzucker niedrig wäre. Es macht natürlich keinen Sinn, mich und / oder das Kind in Gefahr zu bringen, nur um auf Zucker zu verzichten. Ich habe für mich aber herausgefunden, dass Milch ein super Hypohelfer ist und auch Orangen treiben meinen Blutzucker schnell in die Höhe. Durch den stabilen Verlauf kam es aber sehr selten zu Unterzuckerungen.


Eine andere Art, um den Körper auf die Geburt vorzubereiten sind Datteln. Ursprünglich hatte ich geplant in den letzten 4 Wochen der Schwangerschaft jeden Tag 6 Datteln zu essen, da ich die Geburt möglichst schnell einleiten wollte. Aufgrund meines Diabetes ist eine Übertragung (also eine Schwangerschaft über 40+0) aus medizinischer Sicht nicht empfohlen, weshalb ich lieber auf natürlichem Weg nachhelfen wollte anstatt mit Medikamenten, wenn es soweit ist.

Ich habe aber schnell gemerkt, dass mein Blutzucker sich deutlich besser verhält je konsequenter ich auf meine Ernährung achte. Es war zwar mein Plan, nach jeder Dattel spazieren zu gehen oder Sport zu machen, jedoch kann mir das nicht versprechen, weniger Insulin zu benötigen und die Spitzen abzufedern. Ich werde austeste, wie mein Körper darauf reagiert. Als weitere Alternative habe ich aber Himbeerblättertee zur Geburtseinleitung und ich werde ich natürlich viel bewegen. Selbstverständlich habe ich hierzu aber mit meiner Gynäkologin abgesprochen.


Himbeerblättertee Geburtsvorbereitung

Im Geburtsvorbereitungskurs habe ich gelernt, dass Datteln und Louwen nicht im Gegensatz zu einander stehen, da Datteln keinen Industriezucker enthalten und genau dieser ist problematisch. Außerdem fordern Datteln die Ausschüttung von genau den Hormonen und enthalten die Vitamine, die durch Industriezucker blockiert werden. Aus diesem Grund sind sie genauso geeignet zur Geburtsvorbereitung wie die Louwen-Ernährung.


Ich verlinke euch auf jedem der Bilder das entsprechende Rezept, wenn du Inspiration für die Louwen-Ernährung benötigst. Sollte sich beim Klick auf das Bild kein neues Fenster mit einem Rezept öffnen, ist hinter dem Gericht kein Rezept verlinkt.


Ich wünsche allen Schwangeren eine schöne Kugelzeit und eine positive Geburt.

XX Valentina


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